Die Gemeinde Ostermundigen sieht in ihrer Räumlichen Entwicklungsstrategie vor, das Gebiet rund um den Bahnhof Ostermundigen als sogenannte in ein städtisch geprägtes Quartier zu entwickeln. In Abstimmung mit den Vorgaben zum kantonalen Entwicklungsschwerpunkt soll ein neues Ortsteilzentrum entstehen. Im dazu durchgeführten Studienauftrag gewannen wir den 1. Preis.Zentrale Aspekte waren dabei die Positionierung und Ausprägung der Hochbauten, eine rationelle Mobilitätsabwicklung und eine schrittweise, unabhängige Realisierbarkeit für jede Grundeigentümerin. Aus sozialräumlicher Sicht legten wir Wert auf ein lebendiges, attraktives Erdgeschoss, die Entwicklung eines qualitätsvollen öffentlichen und gemeinschaftlichen Freiraums, eine klare Identität mit eigener Atmosphäre, qualitätsvolle Abfolge von öffentlichen, gemeinschaftlichen und privaten Aussenräumen, ein funktionierendes Wegsystem, vielfältige, nutzungsoffene Aneignung der Aussenräume und Ergänzung des bestehenden Quartiers.
Das Dorniackerquartier ist ein Quartier wie viele andere im Dorf. Es ist nicht sehr dicht bebaut und hat keine besondere Identität. Einzig die Lage auf einem markanten Hügel unterscheidet es von den anderen Quartieren. Bestehende Bewohner*innen fühlen sich hier zuhause. Daher soll Bestehendes nicht verdrängt, sondern sinnvoll weitergeführt werden.
Das Quartier soll sozial verdichtet werden, was bedeutet, dass hier künftig mehr Menschen wohnen. Das klare städtebauliche Konzept verleiht dem Ort eine starke Haltung und eine eigene Identität. Räumlich und sozial ist die Allmend das zentrale Element im Zentrum der Überbauung. Diese Mitte ist offen für verschiedene Nutzungen wie Fussball spielen, Herumtoben, mit dem Hund spazieren, Menschen treffen, die Sonne geniessen, Drachen steigen lassen, sehen und gesehen werden. Nicht nur für Bewohner*innen aus dem Dorniacker, sondern auch darüber hinaus. Hier begegnet sich Jung und Alt.
Die Modulation des Geländes bietet verschiedene Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten und dient gleichzeitig als Puffer zu den Wohnhäusern. Fusswege in das umliegende Quartier stärken die Vernetzung mit der Umgebung und bieten eine Auswahl an unterschiedlichen Wegen. Der Dorniacker wird so zu einem Teil des Quartiers. Nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit werden sechs der zehn bestehenden Gebäude belassen und aufgestockt. Vier werden durch Ersatzneubauten mit zeitgemässen Grundrisskonfigurationen ersetzt. Was angefügt, aufgestockt und ergänzt wird, folgt einer einheitlichen Sprache als Holzbau, aber je nach Situation in unterschiedlicher Ausprägung, sodass jede und jeder erkennt, in welchem Haus er oder sie zuhause ist.
Ein zweistöckiger Gewerbebau an einer Ausfallstrasse, dahinter ein Wohnhaus aus den 80er Jahren. Dazwischen etwas Abstandsgrün und rundum Parkplätze. In Zukunft soll hier und in der Nachbarschaft ein neues Quartier entstehen, hoch verdichtet, mit Hochhäusern. Wichtig war uns die Vernetzung mit der bestehenden Nachbarschaft, ein neuer Stadtbaustein, der nicht einfach für sich steht, sondern dem Quartier dient. Das vorgesehene Hochhaus sollte nicht einfach ein visueller Höhepunkt sein, sondern mit sozialen Nutzungen eine Bedeutung für die Bewohner:innen bekommen.
«Es pressiert nicht!» meint ein Bewohner der Siedlung. Er und seine Familie fühlen sich wohl hier und wollen solange wie möglich hier bleiben. Die Bewohnerschaft sei gemischt. Es gibt Alte und Junge, Familien und Alleinstehende. Man komme gut miteinander aus. Sie schätzen die gute Lage, ohne Verkehr, aber doch schnell im Stadtzentrum. Hinter dem Haus auf der asphaltierten Fläche können die Kinder velofahren. Die Balkone sind gross und sie haben sich sogar eine Aussenküche eingerichtet. Ob sie bei einem Neubau auch wieder so gross sind? Gut, haben sie das Geländer beim Balkon noch etwas erhöht, das gibt mehr Privatheit. Bad und Küche sind nicht neu, aber in ordentlichem Zustand. Das ist ok so. Einzig die Küche könnte grösser sein, damit man mit Gästen darin essen kann. Und man hört die Nachbarn schon gut, aber dafür sind die Mieten günstig. Bei einem Neubau wären sie wohl doppelt so hoch? Also: «Es pressiert nicht!» wiederholt der Mann mehrere Male.
Die Bewohner:innen scheinen zufrieden mit ihren Wohnungen. Die Umgebung haben sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten etwas gestaltet. Es gibt Kinderspielzeuge, einen grossen Grill und Tisch, man kann Pingpong spielen. Was auffällt: All die Hecken und Zäune. Der Dahlienweg ist gesäumt von Hecken, zu den Nachbarn gibt es Zäune und wieder Hecken. Die Einfamilienhäuser wenden dem Weg den Rücken zu. Eine Beziehung zur Umgebung scheint unerwünscht. Der Dahlienweg ist eine reine Zufahrtsstrasse und die Parkierung nimmt viel Fläche ein. Das Grün zwischen den Häusern ist reines Abstandsgrün mit wenig Aufenthaltsqualitäten. Zerstückelt liegt es zwischen den Häusern. Der Aussenraum sind die privaten Balkone. Öffentlicher und privater Raum prallen aufeinander. Daher die Hecken und hohen Geländer. Die Zugänge zu den Häusern sind versteckt. Dafür sehen die Bewohner:innen sofort, wenn eine fremde Person kommt. Soziale Kontrolle.
Die Wohnungen haben gute Grundrisse. Die Räume sind nutzungsneutral und lassen sich daher für verschiedene Familienkonstellationen flexibel nutzen. Im Alter wird es aber schwierig, da ein Lift fehlt. «Das hält meine Nachbarin fit», meint der Mann.
Die Siedlung ist und bleibt eine Insel. Zu Fuss, Bus, Velo, ev. Auto ist man aber schnell an anderen Ufern. Das Potential liegt vor allem im Aussenraum. Wie kann seine Aufenthaltsqualität verbessert werden? Wie kann eine Nachbarschaft hergestellt werden und die bestehenden Qualitäten (grosszügige private Aussenräume, Freiflächen für Aufenthalt und Spiel) gestärkt werden?
Die Siedlung soll eine Adresse sein, die Bewohner:innen sollen mit Stolz sagen können, «hier wohne ich». Auch bei den Wohnungen gibt es Verbesserungspotential. Gutes soll aber gut bleiben. «Es pressiert nicht!» heisst ja auch «Es ist gut, wie es ist».
„Es fand eine vertiefte, sorgfältigen und prägnant ausformulierte Auseinandersetzung mit dem Ort und der Aufgabe statt. Dabei leitete das Team klare und nachvollziehbare Grundsätze für einen Städtebau ab, der einerseits die Idee verfolgt, die Beziehung zwischen sozialer und gebauter Architektur auf allen Ebenen zu fördern und andererseits pragmatisch mit den sozialen, baulichen und ökonomischen Realitäten im Westen der Stadt Bern umgeht.
Das Beurteilungsgremium würdigt ausdrücklich die Auseinandersetzung des Teams mit den sozialräumlichen Aspekten, die präzisier Analyse, die klaren Grundsätze und das robuste und qualitäts- und erfolgsversprechende städtebauliche Gesamtkonzept und den hohen Ausarbeitungsgrad.
Die aufgezeigten vertikalen Nachbarschaften, Gemeinschaftsnutzungen sowie Schwellenräume sind interessant und bieten grosses, sozialräumliches Potential.
Das Projekt besetzt mit drei ähnlich langen Gebäuderiegeln die Ränder der dreieckartigen Parzelle. Die Ecken bleiben dabei offen. Es entsteht ein siedlungsinterner Hof mit Nutzgärten und Aufenthaltsbereichen, der sich südseitig zum Park hin öffnet. Im Sockelgeschoss werden öffentliche Nutzungen angeboten die den Siedlungs- und Parkraum beleben.
Mehr Leben im Dorfkern von Leubringen wünschte sich die Gemeinde. Angelehnt an die Winzergemeinden entlang des Bielersees schlugen wir einen dichten Dorfkern vor, mit baumbestandener Promenade und Aussichtsterrasse auf den See. Erst die höhere Dichte erlaubte es, neben Wohnen dem Dorf dienende Nutzungen vorzuschlagen.