Vorträge / Publikationen


publikationen

restflaechen

Postkartenserie zu Unorten und Restflächen in der Stadt Bern, 1997


publikationen (auswahl):

„Utopie in Béton brut“, in: Phoenix, Bauen im Bestand, 06, 2016 und ERA21, 2017

"non-places", in: form Magazin Nr. 257, Jan. 2015

"Sarajevo in Schlieren", in: Hochparterre 1-2, 2013

"Tordre le cou aux clichés sur l'Est", in: La Liberté, 3. September 2013

"Skopje - bedrohte Stadtutopie", in: e-Magazin auf swiss-architects.com, 19. September 2013

"Die Messe als Motor der Stadtentwicklung" in: Stylepark online 7. August 2011

"Wohnen an zentralen Lagen",  in: Wohnstadt Bern 18, 2010

"Veränderte Wohnwelten",  in: Wohnstadt Bern 19, 2010

"Maghàz Budapest", in: Wohnstadt Bern 18, 2010

"Die Mustersiedlung in Obuda" in: Stylepark online 4. Dezember 2010

"Mehr als wohnen Zürich",  in: Wohnstadt Bern 19, 2010

"Planung Warmbächliweg Bern",  in: Wohnstadt Bern 19, 2010

"Partizipative Aussenraumgestaltung im Kleefeld", in: Wohnstadt Bern 17, 2010

"Projekt Kalkbreite Zürich",  in: Wohnstadt Bern 15, 2009

"Geschlossene Stadt, Stadtentwicklung und Gentrifizierung", Edition Soziothek, 2004*

"Summer in the City", in: Die Weltwoche, Juli 1998

wohnen im alter

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Wohnen bedeutet mehr als nur ein Dach über dem Kopf zu haben. In unserer Wohnung können wir uns selber sein, hier fühlen wir uns geborgen und sicher. Gerade ältere Menschen verbringen wieder mehr Zeit zu Hause und haben die entsprechenden Bedürfnisse. Wohnen im Alter wird oft gleichgesetzt mit Wohnen im Altersheim. Und der Gedanke ans Altersheim, an scheinbar bevormundetes Leben, macht den Menschen Angst. Der grösste Teil der Menschen über 65 Jahre lebt alleine oder mit ihren Partnern im eigenen Haushalt. Sie sind geistig und körperlich oft noch recht fit und haben vielfältige Ansprüche bezüglich ihrer Wohnung und deren Wohnumfeld.

Es ist sinnvoll, bauliche Barrieren zu vermeiden, aber „behindertengerecht“ und „rollstuhlgängig“ heisst noch lange nicht altersgerecht. Es gibt nicht die Alterswohnung, wie es nicht die Alten gibt. Die Wohnungen sollen individuellen Bedürfnissen gerecht werden. Trotzdem bleibt das Bedürfnis nach Sicherheit und sozialen Kontakten bei gleichzeitiger Möglichkeit nach Rückzug und Privatheit. Eine Alternative zu herkömmlichen Wohnmodellen können Alters-Wohngemeinschaften bieten. Man wohnt mit Gleichgesinnten zusammen und kann sich gegenseitig unterstützen oder zusammen eine Pflegeperson bezahlen, hat aber seine eigenen vier Wände und Privatheit.

transdisziplinäre zusammenarbeit

Die moderne Architektur hat sich immer wieder mit soziologischen und sozialen Fragen beschäftigt. Die "Chicago School" warf einen empirischen Blick auf die Stadt und die Architekten der 1970er Jahre zogen Soziologen bei, wenn es um die Planung neuer Stadtquartiere bzw. Stadterweiterungen ging. In den 1980er Jahren und mit der neoliberalen Wende wurde die Architektur als Mittel für das Stadtmarketing entdeckt und auf ihre Symbolik reduziert. Ihre dem Menschen dienende Funktion trat dabei in den Hintergrund. Durch die Wiederentdeckung der Stadt und die dadurch gestiegene Nachfrage nach städtischem Wohnen hat sich der Druck auf den Lebensraum der ansässigen Bewohner erhöht. Wer sich das Leben in den aufgewerteten Quartieren nicht leisten kann, der muss an schlechtere Lagen ziehen. Da bauliche Eingriffe meistens eine Aufwertung zum Ziel haben, stellen sich für die Planenden, die nicht einfach im Dienst eines Standortvermarkters stehen wollen, vor allem zwei Fragen: Wie kann das bestehende soziale Gefüge geschützt werden und wie lassen sich an peripheren Lagen urbane Lebensräume schaffen. Die Kenntnis von sozialen Zusammenhängen und Lebenswelten ist dabei von grundlegender Bedeutung und die Zusammenarbeit mit Soziologinnen und Sozialarbeitern eine Voraussetzung. 

sozialraumanalysen

vorgarten

Sozialraumanalysen beschäftigen sich meistens einseitig mit der Abbildung sozio-struktureller Daten. Sie bilden quantitativ und räumlich den Bestand an sozialen und soziokulturellen Einrichtungen ab und greifen auf statistische Daten über die Bevölkerungszusammensetzung, Steuerbelastung oder Wohndauer am Wohnort zurück. Diese eher quantitative Analyse kann mit einer - eher qualitativen - Untersuchung der Lebenswelten verknüpft werden. Hier werden die von der Bevölkerung tatsächlich genutzten, erlebten und gestalteten Sozialräume untersucht. Dabei geht es darum, wie sich die Bevölkerung Räume aneignet, wie sie diese gestaltet und welche Bedeutung diese Räume haben.

Politische (wirtschaftliche, religiöse) Prozesse, bauliche Massnahmen und Gegebenheiten und die individuellen und kolletkiven Akteure gestalten den Sozialraum. Dazu kommt der Faktor Zeit. Um diese verschiedenen Faktoren zu erfassen, bietet sich eine Kartographie des Sozialraumes an, die neben geografischen und baulichen Gegebenheiten auch die sozialen Bezüge, Netzwerke, Interaktionen und Zusammenhänge erfasst.

streetart als raumaneignung

Budapest Kazinczy utca street art

Architektur und Städtebau haben neben ihrer Funktion auch eine, vom gesellschaftlichen Kontext abhängige, symbolische Bedeutung (nicht von ungefähr war das WTC Ziel der Anschläge vom 9.11.). Zur Orientierung sind die Menschen auf die Lesbarkeit dieser Zeichen des Siedlungsraumes ange-wiesen. Dieses Zeichen-, Symbol- und Repräsentations-system, welches Bilder, Bedeutungen, Handlungsweisen und Identitäten durch spezifische Gestaltung vermittelt, unterliegt einem dauernden Wandel. Die traditionelle Bedeutung der materiellen Strukturen von Architektur geht zunehmend verloren. Die von ihr geprägten Zeichensysteme des Raumes werden zunehmend überlagert von Zeichenprozessen der räumlichen Alltagskultur, wie Verkehrszeichen, Strassenmarkierungen, Werbung, Flyer, Graffitis, Überwachungssysteme. Diese Zeichen und Texte im Siedlungsraum dokumentieren neben der Medien- und Kommerzkultur auch Widersprüche und Widerstände beziehungsweise den Kampf um städtisches Territorium und Formen der informellen Aneignung.

gentrifizierung und stadtentwicklung

halte-a-la-renovation

Bauliche Dichte, Heterogenität der Nutzungen, der Bevölkerung und Lebensweisen, Überraschendes und Unkontrolliertes sind wichtige Elemente einer lebendigen Stadt. Mit der Verlagerung sozialer Funktionen in private Räume und der Privatisierung öffentlichen Raumes verlieren Stadt und öffentlicher Raum Teile davon und damit ihre Funktion als Ort des Handelns, der Politik und des sozialen Austausches. Zusätzlich tragen die Krise der Erwerbsarbeit aufgrund globaler Kräfte und die Polarisierung der Gesellschaft in Integrierte und Ausgeschlossene zur Auflösung sozialer Bindungen und der Städte bei. Mit dem Abbau von Sozialleistungen, Gentrifizierung und Privatisierung des städtischen Raumes und präventiven Sicherheitsmassnahmen versuchen Stadtregierungen, attraktive Bedingungen für Firmen und gute Steuerzahler zu schaffen. Dadurch werden aber sozial und ökonomisch Schwache aus Teilen der Stadt verdrängt und ausgeschlossen. Als Alternative zu den fehlenden staatlichen Ressourcen für eine soziale (Stadt-) Entwicklung bieten sich die Ressourcen der Quartierbewohner an. Empowerment befähigt diese, einen eigenen Beitrag zur Problemlösung zu erbringen und soziale Unterstützung aktivieren zu können.

Publikation: Geschlossene Stadt, Stadtentwicklung und Gentrifizierung, Edition Soziothek, 2004. Die Publikation kann hier gegen einen Unkostenbeitrag von 25.- Sfr. als pdf bestellt werden. Inhaltsübersicht

verdichtung

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Restflächen mit viel Potential für soziale Interaktion

Seit einiger Zeit ist "Dichte" das Thema der Stadtentwicklung. Meistens wird damit bauliche Dichte gemeint, also mehr verbauter Raum, höhere Bauten, mehr Nutzfläche. Dabei geht es meistens um rein ökonomische Interessen. Je mehr ich auf einem Grundstück bauen kann, umso mehr Fläche kann ich vermieten und umso höher ist die Rendite auf demselben Grundstück. Es scheint, dass damit die aktuellen Verdichtungsprojekte nur denen dienen, welche Boden besitzen. Eine nachhaltige Verdichtung muss aber neben den ökonomischen Zielen auch die ökologischen und sozialen Aspekte berücksichtigen. Wie wird das erreicht?

Höhere Nutzungsdichte schaffen

Eine bauliche Verdichtung sollte auch zu einer höheren Nutzungsdichte führen. Unter Nutzungsdichte verstehen wir die Dichte von verschiedenen Nutzungen auf einem Areal. Das Ziel muss sein, eine Vielfalt von verschiedenen Nutzungen zu haben, die sich gegenseitig fördern. Mononutzungen sind abzulehnen, da sie die Zersiedelung, den Verkehr und die soziale Isolation fördern. Eine Mischung verschiedener Nutzungen ermöglicht es den Bewohnern und Arbeiterinnen am selben Ort zu wohnen, arbeiten, einzukaufen und ihre Freizeit zu verbringen. Es entsteht weniger Pendlerverkehr.

Hybride Bauten schaffen

Unterschiedliche Nutzungen haben unterschiedliche Bedürfnisse. In einem Gebäude gibt es besser und weniger gut belichtete Bereiche, solche mit besserer Aussicht und solche, die betreffend Lärm und Publikum mehr exponiert sind. Werden unterschiedliche Nutzungen in einem hybriden Gebäude vereint, hat man verschiedene Bedürfnisse (zB. Öffentlichkeit vs. Privatheit) und kann damit besser auf die unterschiedlichen Bedingungen reagieren.

Über die Bewohnerdichte reden

In den 1960er Jahren hatte die Stadt Bern über 160'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Heute sind es trotz starker Bautätigkeit und Neubaugebieten im Westen und Osten der Stadt nur 139'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Das heisst, trotz mehr Nutzfläche gibt es weniger Bewohner und Bewohnerinnen. Gründe sind die gestiegenen Ansprüche und die Zunahme an Einzelpersonenhaushalten. Wo früher 3 Personen in einer 3-Zimmer-Wohnung auf 75m2 lebten, sind es heute 1 - 2 Personen.

In den letzten Jahren entstanden allerorts Ersatzneubauten bestehender Siedlungen oder es wurde der Bestand massiv umgebaut. Beim Wohnungsbau entstanden dabei in der Regel (vgl. zB. Fröschmattweg Bern, Grünau Zürich) Wohnbauten mit grösseren Wohnungen als bisher. Verfügte eine 3-Zimmer-Wohnung vor dem Umbau bzw. Abbruch und Neubau über 75m2, sind es heute 90m2 bei gleicher Belegungszahl. Das bedeutet, um die gleiche Bewohnerzahl wie vor dem Abbruch zu erreichen, muss mehr Raum überbaut werden. Es wird nicht mehr Wohnraum für mehr Menschen geschaffen, sondern mehr Wohnfläche für weniger Menschen, was nicht im Sinne eines haushälterischen Umgangs mit dem Boden sein kann.

Soziale Dichte fördern

Die Bewohnerdichte hat Einfluss auf die Soziale Dichte der Stadt. Unter Sozialer Dichte verstehen wir das Mass der Vielfalt sozialer Lebensformen und sozialem Austausches. Wo dichter gewohnt wird, ist die Vielzahl der Lebensformen grösser. Mehr Menschen bedeutet auch mehr Kontaktmöglichkeiten, aber auch mehr Konfliktpotential. Hohe Bevölkerungsdichte benötigt einen anderen Umgang mit Freiräumen, öffentlichen und privaten Räumen. Ein besonderes Augenmerk ist in diesem Zusammenhang auf die Zwischenräume, Leerflächen und die Übergangsbereiche zwischen öffentlichen und privaten Raum zu richten.

Ungeplantes zulassen

Gerade in einer dicht bebauten Stadt ist es wichtig, Räume zu haben, die von niemandem und keiner spezifischen Nutzung permanent angeeignet werden, sondern das Potential haben, spontane und wechselnde Nutzungen aufzunehmen. Freiflächen schaffen Potentiale. Gerade diese ungeplanten Orte sind Orte des Austausches. An ungeplanten Orten gibt es ungeplante Begegnungen. Diese Orte sind damit Orte des sozialen und Lernens. Das Gegenteil sind Orte, die in ihrer Gestaltung und Nutzung für eine bestimmte Klientel geplant sind.

Kosten und Einnahmen vergleichen

Bei verdichteter Bauweise spart man im Vergleich zu lockerer Bebauung an Erschliessungskosten (Strassen, Leitungen, ÖV). Höhere Bewohnerdichten erlauben zudem die bessere Auslastung bestehender Infrastruktur, Nutzungsdichten führen zu einer besseren Verteilung der Verkehrsströme über den ganzen Tag.

Die Stadt Luzern erfasste die Steuererträge pro Hektar. Dabei stellte sich heraus, dass im dicht bebauten Quartier um die Basel- und Bernstrasse die Steuereinnahmen höher waren, als in anderen Quartieren, obwohl an diesen Strassen eher ärmere Menschen wohnen. Dank der hohen Dichte kamen aber doch mehr Einnahmen zusammen, als an besseren Lagen mit geringer Bewohnerdichte. Eine Stadt saniert also ihre Finanzen nicht, indem sie nur Wohnungen für ein vermögendes Klientel baut.

Partizipative Prozesse als Machtmittel

Mitwirkung wird von den Behörden oft eingesetzt, um bereits bestehende Planungen zu legitimieren und abzusichern. Die betroffene Bevölkerung kann noch aus bestimmten, bereits vorgegebenen Varianten auswählen. Diese Art der Partizipation festigt bestehende (Macht-)Strukturen. Wirkliche Mitwirkung funktioniert aber nur, wo alle die gleichen Möglichkeiten der Mitbestimmung haben.

Die oben geschilderten Prozesse funktionieren nur, wenn diese breit abgestützt sind und zwar vor allem bei den Betroffenen. Denn es ist deren Lebenswelt, welche beplant wird. Sie sind Experten ihres Alltags, sie kennen ihr Wohnumfeld und wissen um dessen Probleme, Potentiale und Qualitäten. Partizipation heisst dabei aber auch, sich auf andere Sichtweisen einzulassen und vor allem auch: andere Resultate zuzulassen. Damit verschiebt sich die Macht von den planenden Behörden und Investoren zur Bevölkerung. Macht bzw. die Planungshoheit muss dabei an die Bevölkerung abgegeben werden.

 


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